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WERNE

Denkmäler

Sieger bleibt der Tod

Krieg als notwendiges Übel auf dem Weg zu nationaler Größe: So wollten die Werner Bürger vor mehr als 100 Jahren ihrer Gefallenen gedenken. Daran erinnert bis heute das Kriegerdenkmal der „Germania“ im Steintorpark, dem ehemaligen Hauptfriedhof von Werne. Der Weg dieses Denkmals markiert einen gesellschaftlichen Wandel von Kriegslust zum Friedenswillen.

Früher gingen die Menschen jeden Tag am Denkmal der „Germania“ vorbei. Die trotzige Statue beherrschte Ende des 19. Jahrhunderts den Werner Marktplatz. Dann stand sie jahrzehntelang fast vergessen an einer unscheinbaren Stelle des Stadtparks. Heute hat sie zwar einen Ehrenplatz im Steintorpark erhalten. Dort ist sie nur noch Spaziergängern, Joggern und Berufsschülern präsent, die den idyllischen Park zur Erholung oder als Abkürzung nutzen. Die Zeit für Kriegerdenkmäler dieser Art ist vorbei. Trotzdem – oder gerade deswegen – ist die „Germania“ ein Mahnmal, das es zu erhalten gilt. Die unterschiedlichen Standorte der Figurengruppe spiegeln den Umgang der Bürger von Werne mit Krieg, Tod und Gedenken. 1890 war das Ehrenmal mit einer großen Feier auf dem Marktplatz eingeweiht worden. Es zeigt einen sterbenden Soldaten und eine Frauenfigur mit Brustpanzer und Schild: „Germania“ – die Verkörperung der deutschen Nation. In der einen Hand hält sie einen Siegeslorbeer. Die andere Hand hat sie mahnend erhoben, den Blick auf den Soldaten zu ihren Füßen gerichtet. Er ist unbewaffnet, sein preußischer Pickelhelm ist ihm vom Kopf gefallen.

Ehrenmal für nationale Größe

In den Sockel wurden drei Jahreszahlen eingraviert: 1864, 1866 und 1871. Es handelt sich um Einigungskriege die deutschen Einigungskriege, in denen Preußen seine Vormacht in Europa gegen Österreich und Frankreich erkämpfte. Infolge dieser Kriege konnte Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck die deutschen Staaten dazu bewegen, sich 1871 zu einem Kaiserreich zusammenzuschließen. Der Preis: Tausende von Toten. Es folgte ein wahrer Denkmal-Boom. So feierten die Deutschen ihre neue Größe und ihr nationales Selbstbewusstsein. Dass die Werner Bürger ihr Ehrenmal fast 20 Jahre später aufstellten, hängt vermutlich mit einem neuen Gesetz von 1890 zusammen. Es gestattete auch Gemeinden, Nationaldenkmäler zu errichten. Zentrale öffentliche Orte wie der städtische Marktplatz wurden beliebte „Stellplätze“. Dort ließ sich die Botschaft dieser Ehrenmale weit verbreiten.

Verherrlichung des Krieges

Wernes „Germania“ erzählt durchaus vom Schrecken des Krieges. Sie deuten sich in dem niedergebrochenen, zu Tode erschöpften Soldaten an. Außerdem wirft sich die Frauengestalt nicht in Siegerpose. Nicht die Hand mit dem Lorbeer hat sie erhoben, sondern eine trotzig-mahnende Faust. Ende des 19. Jahrhunderts war die Lesart dieser Geste klar: Nicht als Warnung vor weiteren Kriegen war sie zu verstehen, sondern als Aufforderung, das Opfertod der Gefallenen nicht zu vergessen. Denn als Opfer für eine größere – nationale – Sache galt zu jener Zeit der Kriegstod junger Männer. Dem sollten die Bürger mit Ehrfurcht begegnen, weshalb des Ehrenmal ursprünglich auf einem mehrere Meter hohem Podest über den Köpfen der Menschen thronte.

Ins Abseits gestellt

Bis 1937, bildete das Kriegerehrenmal den Mittelpunkt des Werner Marktplatzes. Von dort verbannten es die Nationalsozialisten in eine abgelegenere Ecke des Stadtparks – vermutlich, um Platz für ihre Aufmärsche zu haben. In den 1980-er Jahren nahm sich der Kulturausschuss der inzwischen stark verwitterten Figur an und übergab sie als „für die Stadtgeschichte wichtigen Bestandteil“ einem Restaurator. 1988 wurde sie im Steintorpark aufgestellt. In ihrer Nähe befindet sich ein Kriegerdenkmal neueren Datums: eine schlichte Pieta. Die Mutter, die ihren toten Sohn betrauert, nimmt den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts jeden heldenhaften Anstrich. Sieger bleibt allein der Tod. Die Germania im Steintorpark ist seit 1985 ein eingetragenes Denkmal.

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