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WERNE

Denkmäler

Dankbarkeit nach dem Ende des „Schwarzen Todes“

Eines der ältesten Gebäude im Stadtgebiet von Werne liegt idyllisch in der Bauerschaft Langern, unweit der Bundesstraße 54 zwischen Werne und Lünen. 1374 wird die Kapelle „des guden sunte Antonyeze“ auf Biethmanns Hof in Ostick, wie Langern früher genannt wurde, in einer Urkunde des Propstes des Cappenberger Stiftes, Adolf von der Recke, erstmals erwähnt. Solche Kapellen bauten die Bewohner aus Dankbarkeit nach überstandener Seuche oder Pest.

Von 1347 bis 1353 raffte die Pest etwa ein Drittel der damaligen Bevölkerung Europas dahin. Die mittelalterliche Kapelle des Heiligen Antonius – er ist einer der sieben Nothelfer und gilt als Helfer bei ansteckenden Krankheiten – passt in die Zeit des 14. Jahrhunderts. Der Orden der Antoniter war in jener Zeit in weiten Teilen des Landes besonders als Seuchenpfleger tätig. Die Mönche hatten das Privileg, als Entgelt für ihre sonst unentgeltliche Pflegearbeit ihre Schweine frei laufen zu lassen, damit diese sich ernährten, wo sie etwas fanden. Deshalb wird bis heute der Heilige Antonius mit einem Schwein dargestellt, was ihn auch zum Patron der Schweinebauern und Schweinehirten gemacht hat. Im Münsterland wird er daher auch „Swinetünnes“ genannt.

Außergewöhnliche Ausstattung

Die Gründung der Kapelle geht auf das Kloster Cappenberg zurück. Der gotische Ziegelbau auf Bruchsteinsockel gehört heute zur katholischen Kirchengemeinde St. Johannes in Cappenberg und musste mehrmals aufwändig und denkmalgerecht restauriert worden. Der Chorschluss ist gerade. Das Gebäude hat ein abgewalmtes Satteldach mit Dachreiter. Die zweibahnigen gotischen Maßwerkfenster und die Türgewände sind aus Werkstein. Der Westgiebel ist verputzt. Zur historisch außergewöhnlichen Ausstattung zählen ein spätgotisches Weihwasserbecken und eine Glocke aus dem 19. Jahrhundert.

Dem Verfall überlassen

Vor der Klosteraufhebung im Jahr 1803 wurde in der Osticker Kapelle jährlich zweimal ein feierlicher Gottesdienst gehalten. Zum Fest des Schutzpatrons der Kapelle und zu Pfingsten strömten die Gläubigen in die kleine Kirche. Nach Aufhebung des Klosters fühlte sich niemand mehr für das Gebäude verantwortlich. Nicht einmal ein Vertrag wurde gemacht. So verfiel das Gotteshaus im Laufe der Jahre immer mehr. Also stellten die Osticker das Gebäude mit eigenen Mitteln wieder notdürftig her, sodass wieder Messen gelesen werden konnten. Bereits 1830 war die Kapelle teils so verfallen, dass sie nicht mehr benutzt werden konnte. Weil die Antoniuskapelle auf nassem, sandigen Grund steht, zog immer wieder Feuchtigkeit ins Gemäuer und machte im Laufe der Jahre weitere größere Ausbesserungsarbeiten nötig. Nach der Restaurierung 1973 mit finanzieller Förderung des Denkmalamtes in Münster und der Pfarrgemeinde Cappenberg folgte 1983 eine weitere umfassende Renovierung mit Hilfe von Spenden der Osticker. 1999 wurde unter Verwendung des alten Altarsteins ein neuer Altar aufgestellt, der von dem Metallbildhauer Walter Schneider aus Schmallenberg gearbeitet wurde.

Kommissar Zufall half mit

Eine wertvolle gotische Figur des Heiligen Antonius aus dem Jahr 1460 hing früher in der Kapelle. Sie wurde 1971 zusammen mit einem teuren Kelch und einer Madonna bei einem Einbruch ins Gotteshaus geraubt. Der Werner Kapuzinerpater Suitbert Telgmann entdeckte die Langerner Antonius-Figur in Süddeutschland. Sie wurde zurückgebracht und hängt heute in einer wiederhergestellten kolorierten Fassung im südlichen Seitenschiff der Stiftskirche Cappenberg.

Allen Versuchungen widerstanden

Die Antonius-Figur zeigt zahlreiche Attribute des Heiligen. Er liest in ruhiger Konzentration in der Bibel. In der linken Hand hält er einen Stab in T-Form, das sogenannte Thaukreuz, auch Antoniuskreuz genannt. Der Heilige steht in großer Gelassenheit auf gräulich aussehenden dämonischen Köpfen. Die aggressiv wirkenden Fratzen sind Symbol der Versuchungen, denen der Heilige in der Einöde immer wieder ausgesetzt war. Mit ihren Hörnern, Zähnen und Krallen haben sie ihn jämmerlich bedrängt, so heißt es in einer Legende. Doch die ruhige, in die Bibellektüre versunkene Haltung verdeutlicht, dass Antonius den Versuchungen widerstanden und den Sieg über die bedrängenden Gefahren davongetragen hat. Er steht auf den Dämonen und hält sie nieder. Ein kleines Schwein, Ausdruck der hilfreichen Kraft des Heiligen und auch der Sozialfürsorge der Antoniter, schmiegt sich Schutz suchend unten an die Kutte des Heiligen. Der Bildhauer Reinhold Schröder aus Lünen schreibt zu einer neuen Bronzefigur des Heiligen: „Die Übergabe des Schweins erinnert an seine Wohltätigkeit für Pestkranke und mahnt uns, auch den Notleidenden zu helfen. Der T-förmige Schellenstab mit dem Dreiblatt bezeugt die Anerkennung der göttlichen Lebensordnung, die über dem menschlichen Horizont steht.“ Reinhold Schneider hat diese neue Figur gestaltet. 1990 wurde sie in der Kapelle aufgehängt. Ein besonderes Attribut dieser Figur ist eine doppelzüngige Schlange zu Füßen des Heiligen. Sie steht für die Bezwingung der eigenen Schwächen. Die entrückte Haltung des Antonius verkörpert den Sieg über das Böse.

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