Denkmäler
Vier Bildstöcke – vier Zeugnisse gelebter Frömmigkeit in Werne
In Werne begegnet man an mehreren Stellen kunstvoll gestalteten Bildstöcken, die nicht nur von der religiösen Tradition der Stadt zeugen, sondern auch von bürgerschaftlichem Engagement und lokalem Kunsthandwerk.
An der St. Christophoruskirche steht die „Madonna mit dem Jesuskind“ in einem neugotischen Heiligenhäuschen. Die aus Eichenholz geschnitzte Skulptur zeigt Maria als Himmelskönigin mit Krone, Zepter und blauem Gewand. Das Jesuskind trägt den Reichsapfel – ein Symbol für Macht und Auferstehung. Diese Darstellung gehört stilistisch zur „Weichen Gotik“ um 1500 und ist eng verwandt mit der Strahlenkranzmadonna in der Kirche sowie der Figur an der Klostermauer.
Ebenfalls in gotischer Tradition steht die Madonnenfigur „Maria vor dem Tore“ an der Südmauer 5. Auch sie stammt aus der Zeit um 1500 und wurde nach dem Abriss des alten Torwärterhauses an der heutigen Stelle wieder aufgestellt. Maria gilt hier als Schutzpatronin der Stadt.
Der Bildstock an der Alten Münsterstraße erinnert an ein Gelöbnis der Familie Rehwinkel zum Schutz vor Bränden. Die Darstellung des Gekreuzigten regt zum stillen Gebet an und stammt aus dem Jahr 1818.
Der vierte Bildstock an der Stockumer Straße 7 zeigt den heiligen Antonius von Padua – Schutzpatron der Suchenden, der Familien und der Brautleute. 1894 errichtet, steht er für Trost und Hoffnung bei Alltagsnöten.
Alle vier Bildstöcke stehen heute unter Denkmalschutz und sind Zeugnisse von Frömmigkeit, Hoffnung und kunsthandwerklicher Gestaltung in Werne.
Kirchhof 1 – An der St. Christophoruskirche
Bildstock „Madonna mit dem Jesuskind“
Die „Madonna mit dem Jesuskind“ steht in einem neugotischen Heiligenhäuschen. Es ist einem Sockel aus Sandstein aufgesetzt, der zwischen zwei Strebepfeilern der St. Christophoruskirche gegenüber dem Haus Kirchhof 16 aufgestellt wurde. Die Skulptur „Maria mit Kind“ ist aus Eichenholz geschnitzt. Geschützt wird sie durch ein schmiedeeisernes Gitter.
Zahlreiche Details sind Elemente der Mariensymbolik. Die goldene Krone, das Zepter und das blaue Gewand kennzeichnen Maria als Himmelskönigin. Das Jesuskind trägt den Reichsapfel mit Kreuz, Symbol seiner zukünftigen Macht, Würde und Zeichen der Auferstehung.
Drei Kunstwerke im Stil der „Weichen Gotik“
Diese Gestaltung hat die Figur gemeinsam mit der Strahlenkranzmadonna in St. Christophorus und dem Bildstock an der Klostermauer. Das Kunstwerk in St. Christophorus ist jedoch von erheblich höherem Wert und zudem mit zahlreichen weiteren christlichen Symbolen geschmückt. Alle drei sind um 1500 geschaffen. Sie gehören zum sogenannten weichen Stil der Gotik. Zarte, ebenmäßige Gesichtszüge und elegante, weichfallende Falten des Gewandes der Gottesmutter sind dafür typisch.
Maria als Himmelskönigin
In der Volksfrömmigkeit erhielt die Marienverehrung eine besondere Bedeutung, vor allem in der Spätgotik und dann in der Zeit der Gegenreformation. Im Barock setzte man Maria in den Bildstöcken die goldenen Kronen auf. Sie wurde als Himmelskönigin verehrt. Der Bildstock in der Außennische der Kirche St. Christophorus wurde zu einem oft besuchten Ort des stillen Gebetes. In den beiden schmiedeeisernen Leuchtern zeugen noch heute Kerzen davon. Diese und frische Blumen wurden früher von dem Erlös eines kleinen Opferstockes im Tor der Einfriedung bezahlt. Die Pflege lag Jahrzehnte lang in den Händen der Besitzerinnen des Hauses Kirchhof 16. Die Wandbemalung der Nischenflächen wurde in regelmäßigen Abständen vom Malermeister und Kirchenmaler Schlierkamp, der auf der Münsterstraße wohnte, aufgefrischt.
Am 15.12.1993 wurde es in die Denkmalschutzliste der Stadt Werne eingetragen.
Südmauer 5
Bildstock „Maria vor dem Tore“
Die stehende Madonnenfigur hinter dem schützenden Gitter hält das Jesuskind auf ihrem linken Arm. Jesus und Maria sind aus Eichenholz geschnitzt. Beide tragen eine Krone. Dies weist Maria als Himmelskönigin aus, die über allen Heiligen thront. Sie trägt ihr Kind schützend auf Hand und Arm. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sie als Fürsprecherin aller Hilfsbedürftigen gilt. Das Jesuskind greift mit beiden Händen nach dem großen Zepter, das Maria in der rechten Hand hält. Dies und die Krone, die es trägt, sind Symbole seiner zukünftigen Macht und Würde.
Diese Gestaltung hat die Figur gemeinsam mit der Strahlenkranzmadonna in St. Christophorus. Beide sind um 1500 geschaffen. Die Skulptur in St. Christophorus ist jedoch von erheblich höherem künstlerischen Wert und zudem mit zahlreichen weiteren christlichen Symbolen geschmückt.
Maria – Schutzpatronin der Stadt Werne
Maria vor dem Tor steht seit dem 7. 9. 1968 in der Nischenecke der neu aufgebauten Mauer am Kloster. Karl Pollender, der Museumsgründer, hatte sie aus dem Depot geholt. Dort lagerte sie, nachdem im Jahre 1941 die Straße Südmauer erneuert und vergrößert wurde. Die alte Klostermauer wurde abgerissen und mit ihr das Torwärterhaus an der Ecke Südmauer/Neutor. Ursprünglich stand die Figur in einer Nische dieses Hauses. In dem Torwärterhaus wohnte und arbeitete der Torwärter, der den Zugang zur Stadt durch das Neutor bewachte. Die Stadtmauertore boten Schutz, und Maria mit dem Jesuskind, das sie schützend auf dem linken Arm hält, sollte als Schutzpatronin für die Stadt wirken.
Seit dem 18.5.1994 steht Maria mit dem Jesuskind unter Denkmalschutz.
Bildstock Stockumer Straße 7
Antonius von Padua
Der Werner G. H. Rodenstein ließ 1894 das neugotische Heiligenhäuschen an der Stockumer Straße 7 errichten. Ortsansässige Handwerker bauten es auf. Die Statue in der verglasten und durch ein Gitter geschützten Nische stellt den heiligen Antonius von Padua dar. Dieser Heilige wird bei der Suche nach verlorenen Gegenständen um Hilfe angerufen. Die Hoffnung auf Erfolg dazu verspricht das Gedicht auf dem Sockel:
„Wer Hülfe sucht und Wunder will,
der findet bei Antonius viel.
Dies hat, seit sechshundert Jahren,
Padua noch stets erfahren“.
Schutzpatron der Brautleute und Familien
Antonius von Padua war ein bedeutender Prediger und Kirchenlehrer. Im Bildstock trägt er die Kutte der Franziskaner. Dem Orden trat er bei und wählte als Ordensnamen den des Eremiten Antonius. Antonius von Padua wurde 1195 in Lissabon geboren. Er verstarb 1231 in Padua. Er gilt als Schutzpatron der Brautleute und Familien. Häufig wird er wie im Bildstock mit dem Jesuskind dargestellt.
Der Eremit Antonius gilt als Begründer des Mönchtums. Er lebte im 3. Jahrhundert in Ägypten. In Westfalen ist er unter dem Namen „Swinetünnes“ bekannt und wird als Schutzpatron der Bauern, auch der Schweinehirten und Metzger verehrt. Dieser Heilige ist Patron der Antoniuskapelle in Langern.
Der Bildstock steht seit dem 5. Mai 1987 unter Denkmalschutz.
Bildstock an der Alten Münsterstraße
Der Bildstock an der Alten Münsterstraße wurde 1818 von den Vorfahren des ehemaligen Bürgermeisters Rehwinkel errichtet. Die Familie hatte ein Gelöbnis abgelegt, dieses Denkmal zum Schutz vor großer Brandgefahr aufzustellen. Wie viele andere Kreuze und Bildstöcke sollte Christus am Kreuz den Betrachter zu stillem Gebet und zur Bitte um Schutz vor Bränden anregen. Mit der Arbeit war der Steinmetzmeister Loveloh aus Westtünen beauftragt. Er fertigte den Gedenkstein aus Wesersandstein an.
Pflege durch die Kolpingfamilie
Vor der Stadtkernsanierung befand sich der Bildstock vor dem Haus Münsterstraße 11 gegenüber dem Kolpinghaus. Wegen des Um- und Neubaus der Straße wurde er 1982 an den heutigen Standort versetzt. Die Stadt hatte ihn übernommen und mit finanzieller und beratender Unterstützung durch das Amt für Denkmalpflege restaurieren lassen. Die Kolpingfamilie Werne hatte sich bereit erklärt, die Pflege und Unterhaltung des Blumenbeetes zu übernehmen.
Der Eintrag in die Denkmalschutzliste der Stadt Werne erfolgte am 13.6.1996.
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